Leserbrief

 

> Tierwelt stellt Jäger vor Herausforderung < MT v. 04.05.2007

 

Die Vorstellung, Kinder in Kindergärten und Schulen in prägender Obhut von Menschen zu wissen, die in der freien Natur mit vollem Kalkül in Tötungsabsicht Lebewesen auflauern, wird Erzieher/innen und Pädagogen/innen sicher irrational erscheinen ? Erfüllt eine solche Rotkäppchen-und-der-Wolf-Infiltration mit dem Jäger als Befreier den Anspruch auf Formung einer kindgerechten Entwicklung zur Friedfertigkeit ? Kinder nach wie vor im Prägeeinfluss von Tiermördern ? Den Eltern und Institutionen, die sich dem Wohle der Kinder widmen, eine Vorbildhaftigkeit vorgaukeln ohne Preisgabe der wahren Absichten scheint immer wieder zu gelingen. Des Jägers wahre Absicht ist der „Kick“ des freien Abschusses als gespielter Herr über Leben und Tod - also aus niederen Beweggründen.

Hege und Pflege ist schließlich notwendig. Ist sie eben in der Form nicht ! Ein Regulieren der Tierpopulation durch den Menschen ist der fatale Irrtum seines Herrendenkens. Die Natur braucht keine festgelegte Arithmetik der Menschen.

Der Bundestagsabgeordnete verweist ausdrücklich auf den gesetzlichen Auftrag über Hege und Pflege. Wenn er als Mandatsträger den Jägern für den Dienst an der Gesellschaft dankt, offenbart sich die Vorstellung von einem Gesellschaftsbild, das auch weiterhin den Massenmord an Tieren nicht nur gutheißt, sondern wegsehend regelrecht fördert. Eine solche Gesellschaft darf sich dann weiterhin nicht über Gewaltexzesse auch in den Reihen der eigenen Spezies wundern. Anstatt die Gesellschaft an einer friedliebenderen Zukunft beitraglich auszurichten, wird in einer offensichtlich opportunen Selbstgerechtigkeit der Muff in den Köpfen weiterhin gedeckelt und gefördert. Gesetze, die so etwas legitimieren, sind und waren nie zeitgemäß. Sichtweisen können auch anders sein : Theodor Heuss, der 1. Bundespräsident, bezeichnete die Jägerei als eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit. Solange Mandatsträger noch für eine so bezeichnete Tätigkeit Lob und Dank aussprechen, stellt sich mir deren Kompetenzfrage nicht mehr !

Die Bezeichnung der Jagdtätigkeit als Arbeitsstunden verdeutlicht den Versuch, das Töten überzähligen, also unwerten Lebens salonfähig zu halten. Mit der Abschaffung der Todesstrafe für Menschen in diesem Lande hatte sich die Arbeitstätigkeit der Henkerschaft mit erledigt. Für Tiere existiert sie mitsamt der vollstreckenden Zunft immer noch. Wie lange wollen sich Entscheidungsträger dieses geistige Armutszeugnis noch ausstellen ?