Leserbrief vom 09.12.2010 im MT:

 

> November ist die Haupt-Jagdsaison<

 

Ein JŠger vor der Kulisse der untergehenden Sonne .. ein dpa-Bild mit Symbolcharakter.

Allerdings der dazugehšrige Text, dass der November einer der 'Haupterntemonate' des JŠgers sei, zeugt von einer dramatisch versachlichten GefŸhls- und SeelenkŠlte, die die tatsŠchliche Sinnfreiheit des Jagens durch eine menschliche Unart des Wegsehens mit marlborohaft romantischer GleichgŸltigkeit regelrecht befeuert.

 

Menschen haben grundsŠtzlich die Mšglichkeit, sich zu entscheiden, wem sie sowohl gedanklich als auch im Handeln den Vorrang geben - dem Leben oder dem Tšten gleich welcher Gattung.

Wenn der JŠger 'Hasen ernten' geht, betreibt er Seelenpoker fŸr sich und seine Opfer auf unterstem Niveau, oder wie kšnnte man Lustmorden mit Freizeitcharakter noch anders nennen ? Das ist Herrendenken lŠngst vergangen geglaubter Zeiten. Eine Art intelligenzfreie Grauzone des Unwissens, quer durch alle Bildungsschichten mit einer Quasilegitimation der Gesellschaft und ihrer entsprechenden Gesetze. In diesem Fall das Reichsjagdgesetz von 1934 des ReichsjŠgermeisters und Naziverbrechers Hermann Gšring. Das Ergebnis dieses mentalen Abstumpfungsprozesses ist der gezielte Todeschuss nach der Pirsch mit einer scharf geladenen Waffe šffentlich in Wald und Feld.

 

Rein theoretische Argumente ? Dann fangen wir doch morgen praktisch damit an, die Selbstjustiz der JŠgerschaft in der gesamten Gesellschaft salonfŠhig zu machen, die Judikative abzuschaffen und auch dann zu hoffen, dass keiner etwas merkt und alles gut geht ...  Dann wŠre diese Gesellschaft auf des JŠgers Augenhšhe.

Lebewesen per Schusswaffe zu 'ernten', ist geschichtslastiger Blšdsinn und ein unzeitgemŠ§es Dominanzgehabe aus niederen BeweggrŸnden. 

 

Die vermittelte und hier kritisierte Begrifflichkeit 'Haupterntezeit' der jagenden Menschen vermittelt inhaltlich nicht den Eindruck, im 21. Jahrhundert zu leben ... sondern eher in einem evolutionsfreien Raum.

 

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