Auf dem falschen Hochsitz? im MT vom 11.05.2006
Betr.: Artikel "Jägerschaft zieht Bilanz und ehrt Mitglieder"


Dieser Artikel entlarvt - gewollt oder ungewollt - die "Logik" eines  
vermeintlich gerechtfertigten Tierschutzes durch die Hege und Pflege  
der Jägerschaft. Die weiß sich in absolut trockenen Tüchern bei so  
viel Politprominenz und deren Grußworten und Bauchpinseleien.  
Bürgermeister, Umweltdezernent und gar Bundestagsabgeordneter: Was  
kann da schon anrüchig sein?

Müssen da aus deren Sicht nicht die Jagdgegner endlich begreifen, auf  
dem falschen Hochsitz zu hocken? Und dann wird auch noch der  
Ministerpräsident kompetent sein Statement zur Abschaffung der  
Jagdsteuer auf dem Landesjägertag abdrücken. Motto: Schaut her, ihr  
albernen Figuren von Tierschützern, wir zeigen euch, wo die Flinte  
hängt!


Worum geht es tatsächlich? Allein die Tatsache der gesetzlichen und  
damit staatlichen Legitimierung des Massenmordes an Tieren unter dem  
Schleier des Tier- und Naturschutzes widerspricht der Vorstellung  
einer Aussicht auf friedliche Koexistenz des denkenden Menschens des  
21. Jahrhunderts mit Flora und Fauna der restlichen Schöpfung.

Dieser Gedanke setzt das Akzeptieren einer mit uns Menschen nicht  
vergleichbaren schöpferischen Intelligenz (Gott/Allah o. ä.) voraus.  
In der Gebrauchsanweisung für den Christenmenschen (Bibel) ist der  
Imperativ "Du sollst nicht töten" angesagt. Also nicht nur auf den  
Menschen beschränkt.

Das lässt sich mit unseren fünf Sinnen begreifen, doch - die  
schöpferische Intelligenz verfügt zweifelsfrei über einige Sinne  
mehr. Anhand dieser Aussage kommt doch ein merkwürdiges Magengefühl  
auf bei der Vorstellung, welche Reaktion wohl die permanente  
Missachtung der Anweisung nach sich ziehen könnte, wenn das "Maß"  
voll ist? Und dann?

Der Bundestagsabgeordnete stellt klar, dass das Jagdrecht "auf  
gleicher Höhe wie das Tierschutz- und Naturschutzgesetz" bleibe.  
Legalisierte, praktizierte Gewalt in ihrer ganzen Abscheulichkeit auf  
Augenhöhe mit dem Begriff Tierschutz?

Der Zynismus wird vielleicht nicht als solcher von provinzreduzierten  
"Mini-George-Bushs" empfunden - wohl aber von Menschen, denen die  
Vorstellung von Volksvertretern mit solch grobschnittigem  
Vertretungsanspruch unerträglich ist. Ich möchte klargestellt sehen,  
dass dieses eine überparteiliche Aussage ist.

Wie angepasst oder abgekocht muss ein Seelenleben sein, das die  
Daseinsberechtigung schwächerer und nicht mit Kalkül ausgestatteter  
Existenzen nicht einmal zur Kenntnis nimmt - geschweige denn, dafür  
Partei ergreift? Die Aussage, dass "Tiermord qualitativ gleich  
Menschenmord" ist, kann eine Messlatte für Andersdenkende sein, die  
zumindest zum Sprungversuch einlädt. Die Landung nach dem  
Überspringen würde in einer dann gewaltfreieren Gesellschaft den  
Irrsinn der Ignoranz in diesem Zusammenhang hinter sich wissen und  
die Tiermörder "wegdenken".

Quelle MT