Leserbrief v .13.10.2012

>  Jagd im Zeitgeist vergangener gescheiterter Gesellschaftsordnungen (Original)   <

Es ist eine der zentralen Forderungen ethisch sensibilisierter Menschen, das bestehende Jagdgesetz abzuschaffen oder zumindest zu novellieren. Dass die Politik sich damit jetzt auseinandersetzt, ist zaghaft mutig und ein Schritt in die richtige Richtung. Immerhin. Ein Gesetz, damals angepasst von Hermann Göring, das die Jahrzehnte als dessen Überbleibsel bis heute überstanden hat, gern als Bagatelle (es gibt Wichtigeres ..) unter dem Teppich gehalten und ebenso ungern thematisiert.
Allein die Möglichkeit, dass -bei einer neuen Ausrichtung des Jagdgesetzes an ökologischen Prinzipien und dem Tierschutz- der Jäger als Heger und Pfleger kritisch in den Focus einer interessierten Öffentlichkeit gerät, lässt bei ihnen Furcht aufkommen. Ihre Sympathisanten sind offensichtlich überall. Wie sonst ist es zu verstehen, dass ein Mindener Vertreter einer deutschen Volkspartei sichtlich beeindruckt von der Hundeausbildung an lebenden Enten war und wohl noch ist und diese als ‚vernünftig’ bezeichnet.
Diese merkwürdige Sichtweise verdeutlicht auch die Fragestellung unter dem Bild des Artikels : „Mit Hund und Gewehr durch den Wald – ein zeitgemäßes Bild ?“
Ist es zeitgemäß, Menschen mit gezielt abgerichteten Hunden und scharf geladenen Waffen quasi ungestört durch Wald und Feld streifen und sie selektiv über Leben und Tod  entscheiden zu lassen ?  Genau das vereint sie - quer durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten. Ist es zeitgemäß, dass die ‚Krönung der Schöpfung’ auf Lebewesen mit Gesicht und zentralem Nervensystem den finalen Todesschuss abfeuert, die Opfer in Reih und Glied als Strecke legt und mit Jagdhörnern im Geiste einer der Gesellschaft dienlichen Notwendigkeit verbläst ?
Das war wohl der Zeitgeist vergangener, herrschaftlicher Gesellschaftsordnungen, deren Scheitern heute Historiker analysieren. Bereichert es die Menschen, wenn ein Jäger oder eine Jägerin den Abschuss eines Rehbockes twittern würde oder ähnliches mit dem Anspruch, zeitgeistig im Trend zu liegen ?
Der eigene Leitsatz, dass alles, was durch vermeidbare Handlungen Leid und Tod erzeugt, nicht richtig sein kann und zur eigenen und öffentlichen Diskussion stehen sollte, ist überzeugender als die auf Gewalt basierende, komplett unnötige Aussortierung von Lebewesen anderer Spezies. ohne bestehende Not
Fazit : Werden da anfangs keine Kompromisse gefunden, dann verhärtet die bestehende Feindschaft und führt zu Jagdstrecken ohne Ende. Deren Blutspur ist lang genug. Wenn diese Gesellschaft nachhaltig auf ein friedlicheres Miteinander abzielt, dann sollte sie sich von den unsinnigsten und übelsten Braüchen auch legislativ verabschieden oder –wie es scheint- zumindest endlich damit anfangen.